Erdbebensicher bauen

Was bedeutet erdbebensicher gebaut?

Bereits bei mittelstarken Erdbeben können Schäden an Gebäuden entstehen.

Minimieren lassen sich diese durch bauliche Vorkehrungen bei Gebäuden. Was bedeutet das und wie ist die Erdbebenprävention in der Schweiz geregelt?

Bei einer Bauweise, wie sie in der Schweiz üblich ist, muss bei Erdbeben ab einer Magnitude von 5 mit Schäden an Gebäuden gerechnet werden. Möglich sind Mauerrisse, abfallende Verputzteile, Verschiebungen des Fundaments oder einströmendes Wasser infolge eines Rohrbruchs. Zu kleineren Rissen oder Schäden aufgrund herunterfallender Objekte kann es bereits bei kleineren Intensitäten kommen.

Zerstörerische Schäden sind ab einer Magnitude von 6-7 zu erwarten. Dann können beispielsweise Kaminteile herabfallen, Zwischenwände resp. Giebelteile und tragende Bauteile oder, je nach Bauart, Gebäude auch als Ganzes einstürzen.

Erdbebensicherheit bei 90 Prozent aller Gebäude unbekannt

Die 2003 eingeführte schweizerischen Erdbebennorm SIA 261 und das Merkblatt 2018 legen fest, wie ein neues Gebäude erdbebengerecht gebaut beziehungsweise bei bestehenden Bauten die Erdbebensicherheit erhöht werden kann.

Gefährdung und Bauwerksklasse sind massgebend

Bei Neubauten lässt sich mehr Erdbebensicherheit vereinfacht gesagt auf zwei Arten erreichen: Ein Gebäude wird so versteift, dass es seitlichen Verwerfungen standhält. Höhere Bauten hingegen können Erdstösse auch auffangen, indem man sie mitschwingen lässt.

Bei Neubauten lässt sich die Erdbebensicherheit mit wenig Aufwand erreichen. Die Mehrkosten belaufen sich in der Regel auf rund 1-2 Prozent der Bausumme. Die Massnahmen richten sich dabei nach dem Standort (Erdbebenzone und Baugrundklasse) sowie der Bedeutung (Bauwerksklasse) des Gebäudes. In der Schweiz unterscheidet man zwischen drei Bauwerksklassen: Wohn- und Bürogebäude, öffentliche Bauten sowie Gebäude mit lebenswichtiger Infrastrukturfunktion wie etwa Spitäler oder Feuerwehren.

Nachrüsten ist kostenintensiv

Bei bestehenden Bauten ist der Aufwand hierfür meistens ungleich höher. Eine Möglichkeit ist der Einbau von beweglichen Erdbebenlagern, welche zwischen dem Fundament und dem Gebäude eingebracht werden und so das Verformungsvermögen verbessern. Bei Altbauten lässt sich das aber nur sehr schwierig umsetzen, sodass dieses Verfahren zumeist nur bei Bauten angewandt wird, welche besonders geschützt werden müssen (wie Spitäler oder Schulen).

Eine höhere Festigkeit lässt sich in bestehenden Gebäuden unter anderem durch zusätzliches Einbringen von Stützwänden erreichen. Eine Möglichkeit kann auch sein, einen Liftschacht mit Stahlbeton auszukleiden, um dem Gebäude mehr Stabilität zu verleihen.

Bestehende Bauten lassen sich am einfachsten im Zuge einer Totalsanierung erdbebenfest nachrüsten.